Aktuell

Gesundheitsstadt Ruhrgebiet
Gesundheitswirtschaft regional 
Nordrhein-Westfalen ist ein starker Gesundheitsstandort. Das zeigt sich in der großen Bedeutung der Gesundheitswirtschaft für Beschäftigung und Umsatz, aber auch in der exzellenten Verankerung gesundheitswirtschaftlicher Themen auf regionaler Ebene. In den vergangenen Jahren haben sich sechs bedeutende Gesundheitswirtschaftsregionen entwickelt: Aachen, Köln/Bonn, Metropole Ruhr, Münsterland, Ostwestfalen-Lippe und Südwestfalen.
In dieser Ausgabe stellen wir die Gesundheitsstadt Ruhrgebiet vor.
Hier werden exemplarisch für ganz Nordrhein-Westfalen innovative Herangehensweisen und Projekte entwickelt, um mit allen Akteuren eine qualitativ hochwertige und patientenorientierte Gesundheitsversorgung zu ermöglichen. Die Gesundheitsmetropole Ruhr umschließt das Gebiet der Städte Bochum. Bottrop, Dortmund, Duisburg, Essen, Gelsenkirchen, Hagen, Hamm, Herne, Mülheim an der Ruhr und Oberhausen sowie vier Kreise, nämlich den Ennepe-Ruhr-Kreis, den Kreis Recklinghausen, den Kreis Unna und den Kreis Wesel. Mit 5,3 Millionen Einwohnern auf etwas mehr als 4.400 Quadratkilometern ist die Gesundheitsmetropole Ruhr die bevölkerungsreichste und –dichteste der Gesundheitsregionen.
Zahlen / Daten / Fakten
Einwohner: 5,3 Mio.
Krankenhäuser und Kliniken: 130
Medizinische Fakultäten: 3
Haus- und Fachärzte: 9.000
Pflegeheime und ambulante Dienste: 1.100
Und überall sind die Rückenleiden ein großes Thema !
Rückenschmerzen sind eines der häufigsten Volksleiden, fast jeder hat es mindestens einmal im Leben im Kreuz.
Und andere haben es immer dauerhaft im Kreuz !

Inhaltsverzeichnis.
1.   Das Kreuz mit dem Kreuz
2.   Die Wirbelsäule
3.   Die Bandscheiben
4.   Diagnose Bandscheibenvorfall
5.   Diagnostik
6.   Operation
7.   Vorbeugung
8.   Reha _ Massnahmen
9.   Kliniken - Wirbelsäulenzentren
10. Selbsthilfe
Impressum:
08/16 Marketing UG
Paul Gerhardt Str 30
44359 Dortmund
Chefredakteur: Reinhard Göddemeyer (RG) ViSdP
Telefon: 0209 - 88339422
Telefon: 0 1577 -  4573427
Telefax: 0 3212 – 7460612
Kooperationspartner:
Selbsthilfegruppe Bandscheiben – Liga e.V.
Verein zur Verbesserung der Patienteninformation e.V.
Bundesbehindertenhilfe e.V.
Hinweis: Im Text wird bei Personen nicht immer consequent die männliche und weibliche Form verwendet. Die Texte beziehen sich jedoch sowohl auf Frauen wie auf Männer. Alle Texte wurden sorgfältig recherchiert, Dennoch behalten wir uns eventuelle  Irrtümer vor.
Copyriht 2016 bei O8/16 Marketing
Alle Nutzungsrechte an Texten und Bildern und Schriftzügen sind vorbehalten.Eine Verbreitung und Wiedergabe ist möglich, bedarf aber allerdings der Genehmigung durch 08/16 Marketing UG

Das Kreuz mit dem Kreuz !
Wir können auf den Mond und den Mars fliegen, wir vollbringen Spitzenleistungen in allen Bereichen der Forschung, wir verpflanzen erfolgreich alle möglichen Organe, wir haben Magengeschwüre fast ausgerottet, wir können schon jede zweite Krebserkrankung heilen - jeden Tag vollbringt die moderne Medizin neue Glanzleistungen. Aber jeden Tag fragen gleichzeitig Millionen schmerzgeplagter Rückenpatienten: Warum muß ich immer noch leiden?
Gibt es für mich wirklich keine Hilfe?
Bandscheibenpatienten im Krankenhaus
Die Zahl dieser Krankenhausfälle ist in den Jahren von 2006 bis 2014 von 282.000 auf 415.000 angestiegen. Das belegt der BARMER GEK Report Krankenhaus 2015.
Dem Report zufolge haben in den Jahren 2006 bis 2014 die Operationen an den Bandscheiben um 12,2 Prozent zugenommen. Immer öfter folgt bei denselben Patienten innerhalb von ein bis zwei Jahren zusätzlich eine Versteifungsoperation. Zwar handelt es sich noch um relativ geringe Fallzahlen, die Steigerungsraten sind mit 150 Prozent seit dem Jahr 2006 jedoch beachtlich. "Ein Zweitmeinungsverfahren ist vor jeder Rücken-Operation dringend anzuraten. So lässt sich eine nicht notwendige Operation am besten vermeiden", so Straub. Schmerzfreiheit sei gerade bei chronischen Schmerzen auch nach einer Operation nicht garantiert, umso genauer müssten Nutzen und Risiken des Eingriffs abgewogen werden.
Patienten sind nicht zufrieden
Doch auch mit der Behandlung im Krankenhaus sind viele Patienten nicht zufrieden. Das belegt eine Umfrage der Studienautoren unter erwerbsfähigen BARMER GEK Versicherten.
Bild: Wirbelsäule des Menschen
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Es wurden 2.496 Rückenschmerz-Patienten Krankenhaus ist bei Schmerzpatienten sehr hoch. Daher müssen sie umfassend von den Ärzten aufgeklärt werden, was eine Behandlung leisten kann. Schmerzfreiheit gehört nicht unbedingt dazu", betonte Bitzer. Laut Umfrage ist nur jeder Zweite operierte und jeder Vierte mit Schmerztherapie behandelte Versicherte uneingeschränkt mit dem Ergebnis zufrieden. "Das sind die niedrigsten Zufriedenheitswerte, die wir bei Patientenbefragungen im Rahmen des BARMER GEK Reports Krankenhaus jemals gemessen haben", so Bitzer.
Trends bei Fallzahlen und Verweildauer ungebrochen
Auch nach demografischer Bereinigung haben die Fallzahlen im Krankenhaus, nach einer Stagnation im Jahr 2012 gegenüber 2011 in den Jahren 2013 und 2014 wieder leicht zugenommen. Insgesamt ergibt sich seit dem Jahr 2006 ein Zuwachs bei den Fallzahlen von 7,3 Prozent. Die Anzahl der Behandlungstage ist demgegenüber deutlich gesunken, 1.773 im Jahr 2006 auf 1.673 je 1.000 Versicherte im Jahr 2014. Das entspricht einem Rückgang von 5,6 Prozent. Die durchschnittliche Verweildauer hat im Zeitraum von 2006 bis 2014 um 12 Prozent auf 7,7 Tage abgenommen.
Ich habe Rücken !
Wer hat das in seinem Leben nicht schon einmal gesagt ? Wie ging oder geht es nach einer solchen Aussage aber weiter ? Oftmals beginnt ein Untersuchungs- oder Behandlungsmarathon, der sich über Jahre hinzieht. Manchmal endet der Patient irgendwann als sogenannter austherapierter Schmerzpatient, der sinngemäß nur noch die Wahl hat zwischen Pest und Cholera:
Nimmt er die benötigten Schmerzmittel dauerhaft ein schädigt er innere Organe wie Magen, Nieren und Leber, was wiederum den Beginn einer neuen Behandlungsspirale bedeuten kann.
Nimmt er die benötigten Medikamente aber nicht dauerhaft ein kann er es vor Schmerzen nicht aushalten.
Guter Rat ist dann gefragt !
Was sind die Ursachen für die vorliegenden Beschwerden ?
Wo fängt die Behandlung an ?
Wer behandelt wie und wo ?
Welche Behandlungsmethoden gibt es überhaupt ?
Muss immer gleich operiert werden ?
Wann ist eine Operation unumgänglich ?
Wie finde ich den richtigen Operateur ?
Der Bandscheibenvorfall
 
Bandscheibenvorfall, der vorgefallene Gallertkern drückt auf die Ventralwurzel (Vorderwurzel) des Spinalnervs
1 Rückenmark, 2 Dorsalwurzel, 3 Spinalganglion, 4 Ventralwurzel, 5 Spinalnerv, 6 + 7 Bandscheibe: 6 Faserring, 7 Gallertkern, 8 Wirbelkörper
Die Bandscheibe
Eine Bandscheibe (lat. Discus intervertebralis) ist eine flexible, faserknorplige Verbindung zwischen Wirbeln. Sie gehört damit zu den knorpligen Knochenverbindungen (sog. Symphyse, Symphysis), vergleichbar dem Discus interpubicus der Schambeinfuge. Sie unterscheidet sich damit grundsätzlich von den faserknorpligen Zwischenscheiben in echten Gelenken (siehe Discus articularis). Die Wirbelsäule des Menschen besitzt 23 Bandscheiben. Ihre Anzahl variiert bei den übrigen Säugetieren mit der Anzahl der Wirbel. Zwischen dem Schädel und dem ersten Halswirbel (Atlas) sowie zwischen dem ersten und zweiten Halswirbel (Axis) gibt es keine Bandscheiben. Die Bandscheiben machen etwa 25 Prozent der Gesamtlänge der Wirbelsäule aus
Der Aufbau
Bandscheiben bestehen aus zwei Teilen:
äußerer Anulus fibrosus (Faserring)
innerer Nucleus pulposus (Gallertkern)
Der Anulus fibrosus besteht aus konzentrischen Schichten von kollagenen Bindegewebsfasern (Außenzone), die nach innen allmählich in Faserknorpel (Innenzone) übergehen. Die Bindegewebsfasern heften sich an den Wirbelkörpern an. Der Nucleus pulposus ist ein zellarmes gallertiges Gewebe, das 80 - 85 % Wasser enthält. Aufgrund des hohen Anteils an Glykosaminoglykanen wird Wasser reversibel gebunden, sodass der Nucleus wie ein Wasserkissen stoßbrechend wirkt. Der Gallertkern wird als Überrest der Chorda dorsalis angesehen. Tritt seine Flüssigkeit über den Anulus fibrosus durch eine Schädigung aus, spricht man von einem Nucleus-pulposus-Prolaps oder Bandscheibenvorfall. Während der Anulus fibrosus einer zugfesten Hülle der Bandscheiben entspricht, enthält der Nucleus pulposus Flüssigkeit. Wird Druck auf die Bandscheiben ausgeübt, verlieren sie diese Flüssigkeit. Diese physiologische Diffusion ist mit einem pathologischen Nucleus-pulposus-Prolaps nicht zu verwechseln. Dadurch schrumpft ein Mensch am Tag um etwa 1 % seiner Körpergröße, was etwa 1,5 – 2,0 cm entspricht. Die Bandscheiben saugen bei Entlastung im Liegen, also beispielsweise beim Schlafen, die Flüssigkeit wieder wie ein Schwamm auf.
Dieses Auspressen und Aufsaugen ist auch der einzige Weg, über den die Bandscheiben mit Nährstoffen versorgt werden, da sie ab dem 20. Lebensjahr mit Abschluss des Wachstums keine Blutgefäße mehr besitzen. Der Druckwechsel zwischen Be- und Entlastung ist also eine Grundvoraussetzung für den Stoffwechsel der Bandscheiben. [1] Langfristige Belastungen führen zu einer langsamen, aber permanent stattfindenden Flüssigkeitsabgabe, die den Turgor und die Dicke der Bandscheiben abnehmen lässt.
Die Funktion
Da Körpergewebe stets aus dem Material besteht, das für seine Aufgaben besonders geeignet ist, kann man aus der Beschaffenheit der Wirbelsäulenbandscheiben schließen, dass diese hauptsächlich Druckbelastungen durch Muskelzug standhalten müssen. Beim nach vorne Beugen der Wirbelsäule oder einer „krummen Körperhaltung“ entsteht auf der Rückseite der Bandscheiben eine enorme Zugkraft des Musculus erector spinae. Diese wiederum wirkt in das Gelenk, so dass es zu punktueller Druckbelastung des dorsalen (hinteren) Abschnittes des Anulus fibrosus und somit längerfristig zur Fissurenbildung führt. So kann man daraus schließen, dass die Dauer der gekrümmten Körperhaltung entscheidend für die Schwächung der Wirbelsäulenbandscheiben sein könnte, denn genau mit einer solchen Form der lang gehaltenen Dehnung werden bindegewebige Gelenkstrukturen in der Physiotherapie erfolgreich mobilisiert. Tatsächlich zeigt es sich, dass selbst bei sehr hohen Druckbelastungen, z. B. bei einem Sturz auf das Gesäß, praktisch nie die Bandscheiben Schaden nehmen, sondern stets die Wirbelkörperdeckplatten einbrechen.
Schäden
Längerfristige Schädigung von Bandscheiben kann zu einem Bandscheibenvorfall führen, wobei auch genetische Dispositionen, wie bei Arthrosen auch, eine große Rolle zu spielen scheinen. Der Verschleiß der Bandscheibe und der angrenzenden Wirbel wird Osteochondrosis intervertebralis oder Spondylosis deformans genannt. Die operative Entfernung eines Bandscheibenvorfalls wird als Nukleotomie bezeichnet, die Entfernung der gesamten Bandscheibe mit knöcherner Versteifung und Fusion der benachbarten Wirbelkörper ist die Spondylodese. Daneben gibt es an der Hals- und Lendenwirbelsäule die Möglichkeit des Bandscheibenersatzes durch eine Bandscheibenprothese.
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Die Diagnose: Bandscheibenvorfall
Der Bandscheibenvorfall (lat. Prolapsus nuclei pulposi, Discushernie, Discusprolaps, auch Bandscheibenprolaps, BSP) ist eine Erkrankung der Wirbelsäule, bei der Teile der Bandscheibe in den Wirbelkanal – den Raum, in dem das Rückenmark liegt – vortreten. Im Gegensatz zur Bandscheibenprotrusion (Vorwölbung) wird beim Prolaps der Faserknorpelring der Bandscheibe (Anulus fibrosus) ganz oder teilweise durchgerissen, während das hintere Längsband (Ligamentum longitudinale posterius) intakt bleiben kann (sogenannter subligamentärer Bandscheibenvorfall).
Die Ursache ist oft eine Überlastung bei Vorschädigung der Bandscheiben, ein Bandscheibenvorfall kann aber auch ohne äußeren Anlass auftreten. Symptome des Bandscheibenvorfalls sind starke, häufig in die Extremitäten ausstrahlende Schmerzen, oft mit einem Taubheitsgefühl im Versorgungsgebiet der eingeklemmten Nervenwurzel, gelegentlich auch Lähmungserscheinungen. Eine Behandlung ist meistens konservativ möglich, schwere Vorfälle müssen operativ behandelt werden.
Bandscheiben sind bradytrophe Gewebe, das heißt, sie werden nicht direkt aus dem Blutkreislauf heraus mit Nährstoffen versorgt, sondern durch Diffusion. Hierbei spielen semipermeable Membranen, welche die Knorpelringe voneinander trennen, die entscheidende Rolle. Durch Scherkräfte können diese Membranen einreißen, wodurch sie ihre Funktion verlieren und die Bandscheibe nebst Gallertkern der Bandscheibe (Nucleus pulposus) austrocknet (black disc lesion). Wenn es zu einem Bandscheibenvorfall kommt, ist der Gallertkern praktisch nicht mehr in seiner ursprünglichen Form vorhanden. Der Bandscheibenvorfall entsteht also zumeist auf dem Boden einer langjährigen Vorschädigung der Bandscheibe. Der Gallertkern (ca. 80 % Wasser) besteht bei der gesunden Bandscheibe aus einem gallertigen, zellarmen Gewebe und übernimmt bei Belastung zusammen mit den Knorpelringen und den Membranen die Funktion einer hydraulischen Kugel („Wasserkissen“). Die Wirbelkörper und Bandscheiben vorne ermöglichen zusammen mit den kleinen Wirbelgelenken hinten („Facettengelenke“) die hohe Beweglichkeit der gesamten Wirbelsäule und ihre hohe Stabilität.
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Die Schmerzen strahlen typischerweise entlang der Dermatome aus und deuten so auf die betroffenen Nervenwurzeln hin.
23 Bandscheiben
Die menschliche Wirbelsäule hat 23 Bandscheiben. Zwischen dem ersten Wirbel (lat. Atlas) – von oben gezählt – und dem zweiten Wirbel (Axis) ist keine Bandscheibe ausgebildet. Damit wird dem Kopf beim Nicken (Atlas) und Drehen (Axis) die erforderliche Bewegungsfreiheit gegeben. Außerdem konzentrieren sich dort wesentliche Nervenstränge und die Blutversorgung zum Kopf. Es gibt verschiedene Ursachen für einen Bandscheibenvorfall: genetische Schwächen, einseitige Belastungen oder eine Schwäche der paravertebralen, das heißt neben den Wirbeln gelegenen, Muskulatur. Die ausschließlich unfall- oder verletzungsbedingte Schädigung der Bandscheibe ist bislang nicht als Ursache nachgewiesen – dem widersprechende Argumentationen werden von Berufsgenossenschaften und Sozialgerichten höchst selten anerkannt. Gesundes Bandscheibengewebe soll nach gängiger

Bild: HWS
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Querschnitt durch die Strukturen der Halswirbelsäule. Rechts: Beim Bandscheibenvorfall tritt ein Teil des Gallertkerns (Nucleus pulposus) durch den Faserring (Anulus fibrosus) und verursacht durch Druck auf den Spinalnerv (Nervus spinalis) Beschwerden
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Meinung, wenn überhaupt, mit einem Stück Knochen zusammen aus dem Wirbelkörper ausreißen. Häufig tritt ein Bandscheibenvorfall auch während einer Schwangerschaft auf. Es gibt viele alte Menschen von über 90 Jahren, die in ihrem arbeitsreichen Leben niemals Beschwerden an der Wirbelsäule beziehungsweise den Bandscheiben hatten. Dagegen gibt es Kinder, die schon einen Bandscheibenvorfall erleiden mussten.
Mögliche Ursachen für den rasanten Anstieg von Bandscheibenvorfällen in der heutigen Zeit sind Bewegungsmangel und Fehlhaltungen, vor allem bei Büroarbeiten. In einigen Studien konnte ein erhöhtes Risiko bei Übergewicht nach Body-Mass-Index gegenüber Bandscheibenveränderungen festgestellt werden. In einer finnischen Studie zeigte sich ein 2-fach erhöhtes Risiko einer stationären Behandlung von Bandscheibenerkrankungen bereits bei einem BMI > 27,5 kg/m².
Das durchschnittliche Erkrankungsalter liegt bei 40 Jahren, die am häufigsten betroffenen Wirbel liegen im Lendenwirbelbereich (lumbal). Weniger häufig betroffen sind Halswirbel (zervikal) und nur sehr selten die Brustwirbel (thorakal). Das Verhältnis ist etwa 100 zu 10 zu 1.

Diagnostik
Ein Bandscheibenvorfall kann mittels MRT diagnostiziert werden. Als alternatives Verfahren kann ein Bandscheibenvorfall auch mittels CT festgestellt werden. Nach der Untersuchung sollte ein neurologisch erfahrener Arzt feststellen, ob festgestellte Veränderungen die Beschwerden des Patienten erklären können oder ob es sich nur um einen Zufallsbefund handelt.
Die Behandlung
Bei erhaltener Beweglichkeit wird empfohlen, so schnell wie möglich zu normalen Aktivitäten zurückzukehren.Eine Bettruhe ist nicht empfehlenswert, da hierfür kein Therapieeffekt nachgewiesen wurde. Bei fehlender Beweglichkeit sollte frühzeitig eine effektive medikamentöse Schmerztherapie durchgeführt werden. Eine Einweisung ins Krankenhaus sollte bei Red Flags (siehe unter Symptome), ambulant nicht beherrschbaren Schmerzen und zunehmenden neurologischen Ausfällen erfolgen. Wärmetherapie, Massagen mit Bewegungstherapie, Elektrotherapie, Bindegewebsmassagen können im Einzelfall die Beschwerden lindern. Der Nutzen lässt sich aber z. T. nicht wissenschaftlich belegen.
Eine Manuelle Medizin (Chiropraktik, spinale Manipulationen) ist bei ausstrahlenden Schmerzen kontraindiziert. Bei akuten nicht ausstrahlenden Schmerzen kann die Therapie innerhalb der ersten 4–6 Wochen hilfreich sein. Krankengymnastik (Physiotherapie) ist bei chronischen und subakutenSchmerzen hilfreich. Im akuten Stadium konnte bisher kein Nutzen nachgewiesen werden. Unter den vielen Therapie- und Diagnoseansätzen befinden sich auch die Feldenkrais-Methode, Alexander-Technik, Hatha-Yoga, das McKenzie-Konzept, die Spiraldynamik und die Akupunktur. Eine Verhaltenstherapie ist hilfreich in Bezug auf die Schmerzbewältigung bei chronischen Rückenschmerzen.
Bei Patienten, die an Rückenschmerzen mit Ausstrahlung ins Bein leiden, kann bei chronischen Beschwerden die sogenannte Rückenschule hilfreich sein. Die Periradikuläre Therapie (PRT) ist ein Verfahren, bei der unter CT- oder Röntgen-Kontrolle Kortison an die betroffene Nervenwurzel gespritzt wird, die mindestens 2x durchgeführt werden sollte. In 67 % der Fälle kann damit bei einem Bandscheibenvorfall Schmerzfreiheit erreicht werden. In Deutschland wird die Untersuchung bei Kassenpatienten in der Regel nicht von der Krankenkasse bezahlt. Ggf. werden die Kosten übernommen, wenn ein Schmerztherapeut den Patienten zum Radiologen überweist.
Die Operation
Wegen der hohen Komplikationsrate gilt eine strenge Indikationsstellung zur Operation.
Eindeutige Indikationen zur Operation laut AWMF–Leitlinie sind:
Cauda-equina-Syndrom mit akuter Paraparese bei ausgedehntem Bandscheibenvorfall oder bei einem Wirbelkörperbruch.
Blasen- und Mastdarmlähmung
Zunehmende oder akut aufgetretene schwere Muskelausfälle
Eine Operation kann als letzter Versuch durchgeführt werden, wenn alle nicht-operativen Verfahren versucht wurden und die Schmerzen sich trotzdem nicht aushalten lassen.
Komplikationen sind u. a.:
Häufig postoperative Narbenbildung, die z. B. die Nervenwurzel oder den Duralsack einklemmen kann.
Häufig Reprolaps/Rezidiv
Z. T. schwere Infektion ggf. mit Abszedierung
Liquorleckage (Liquor cerebrospinalis) bei Verletzung der Dura, z. B. mit schweren Kopfschmerzen
Die Rezidivrate bei der mikrochirurgischen OP liegt bei > 10 %.
Die Implantation künstlicher Bandscheiben zur Schmerztherapie wird (Stand 2005) kritisch bewertet.
Im Jahr 2013 hat der AOK-Krankenhausreport belegt, dass sich die Zahl der Bandscheibenoperationen zwischen 2005 und 2010 verdoppelt hat. Die SPORT-Studie (SPORT = Spine Patient Outcomes Research Trial) kam zu dem Schluss, dass bei persistierender Ischialgie aufgrund eines Bandscheibenvorfalls die Operation auch noch nach 8 Jahren einen Vorteil gegenüber der konservativen Behandlung bringt. Wegen der schwierigen Zuteilung zu den verschiedenen Behandlungsgruppen und der Zusammenfassung einer Reihe von verschiedenen Studien zu einer großen Studie gibt es einigen Interpretationsspielraum.
Die am häufigsten durchgeführte Operationsmethode ist die Mikrodiskektomie, bei der das verrutschte Bandscheibengewebe durch einen 3-5 cm langen Schnitt über der Wirbelsäule entfernt wird. Sogenannte minimal-invasive Eingriffe und mikrochirurgische Verfahren, wie die Perkutane Laser-Diskus-Dekompression (PLDD), finden immer häufiger Anwendung, auch wenn die Resultate in klinischen Studien nicht besser sind. Argumentiert wird hingegen, dass der Zugang, d. h. die Narbe, kleiner ist und somit weniger traumatisierend sei.Zunehmend an Verbreitung gewinnt auch die endoskopische transforaminale Bandscheibenoperation.


Vorbeugung
Da die sogenannte „Bindegewebsschwäche“ als primäre Ursache erblich ist, lässt sich einem Bandscheibenvorfall nur bedingt durch Muskelaufbau vorbeugen. Auch die Vermeidung von Unfällen wird sich nicht immer erreichen lassen. So bleibt für jeden Einzelnen jedenfalls die Möglichkeit eines konsequenten Muskelaufbaus im Rückenbereich durch gymnastische Übungen oder Sport, sowie die Vermeidung des Hebens schwerer Lasten. Es gibt erlernbare Techniken, schwere Lasten „rückengerecht“ zu bewältigen, aber das Vermeiden solcher Aktionen ist nicht in jedem Beruf (z. B. Krankenpflege) möglich.
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Bodybuilding und Fitnesstraining können in Studios mit weniger qualifiziertem Personal problematisch sein, da Fehlstellungen dort nicht immer erkannt werden.
Erwähnenswert sind auch die „orthopädischen Sportarten“, Schwimmen, Tanzen, Laufen (bzw. Joggen, Nordic Walking), Reiten und Fahrradfahren, welche neben dem Muskelaufbau die für Bandscheiben wichtige wechselnde Druckbelastung ermöglichen. Ob nach einem Bandscheibenvorfall Sportarten wie etwa Reiten oder Laufen (auf asphaltiertem/zementiertem Untergrund) ebenso wie Fahrradfahren in stark gebeugter Haltung unbedingt zu vermeiden sind, ist nach Erkenntnissen der modernen Sportmedizin stets vom individuellen Schadensbild abhängig.
Eine wichtige Maßnahme zur Vorbeugung gegen einen Bandscheibenvorfall ist die richtige Ergonomie am Arbeitsplatz. Das gilt neben den körperlichen Arbeiten auch für Tätigkeiten, die im Sitzen verrichtet werden. Heutzutage gibt es viele ergonomische Lösungen für die Arbeit am Bildschirm, am Schreibtisch und Arbeiten, welche lange statische Sitzpositionen erfordern. Da die Bandscheibe nicht von Blutgefäßen versorgt wird, ist sie auf wechselnde Druckbelastung zum Austausch der Nährflüssigkeit angewiesen, womit statische Sitzpositionen möglichst zu vermeiden sind
Die Reha
Die Bandscheiben Op wird heute meist mikrochirurgisch durchgeführt. Diese Art des Eingriffs macht es möglich, dass die Patienten schon im Mittel zwischen 3 und 5 Tagen nach der Operation das Krankenhaus verlassen können.
Im Anschluss an die OP wird dann im Regelfall eine Bandscheiben Reha empfohlen und durch den Operateur oder den Sozialdienst des Krankenhauses eingeleitet. Dabei steht Ihnen auch das Wahlrecht, die Rehaklinik Ihrer Wahl auszuwählen
Ziele der Reha nach Bandscheiben-OP
A) körperliche Ziele
Muskelanspannung reduzieren, ggf. medikamentös
Bewegungseinschränkungen minimieren
Fehlhaltungen vermeiden
Muskelaufbau gezielt physiotherapeutisch
Mobilität verbessern
B) Psychische & Soziale Ziele
Selbstvertrauen in eigene Fähigkeiten
Selbstbewusst eigene/neue Ziele definieren
Lebensfreude & Lebensqualität steigern
Vorbereitung auf Rückkehr in Familie, Freizeit & Beruf
Auf Basis des ärztlichen  Befundes und der Nachbehandlungsempfehlung Ihres Operateures wird gemeinsam mit dem patienten ein individuelles Therapieprogramm erarbeitet.. Das zentrales Element der Reha (Anschlussheilbehandlung) nach der Bandscheiben-Op ist die Physiotherapie (Krankengymnastik), bei der mittels physiotherapeutischen Übungen und Gerätetraining Muskelaufbau betrieben wird. Hier erfolgen beispielsweise unter anderem auch Wassergymnastik oder Rückenschule.
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Bei der Wassergymnastik wird zum Einen die Wirbelsäule, Gelenke und Muskulatur entspannt und zum Anderen fallen aufgrund des Auftriebs und des geringeren Eigengewichts das Trainieren von Bewegungen wesentlich leichter. Durch die Rückenschule wird das Erlernen einer optimale Haltung trainiert. Therapeutische Fachbereiche wie die Ernährungsberatung(gesunde Ernährung, ggf. Gewichtsreduktion) oder die Psychologie (psychologische Krankheitsverarbeitung) ergänzen das Therapiespektrum durch einzelne Therapie wie z.B. Praktisches Kochen in der Lehrküche oder Entspannungstechnik mit Autogenem Training.
Konservative Reha nach Bandscheibenvorfall
Die Mehrzahl der Bandscheibenvorfälle wird heutzutage durch eine konservative Therapie behandelt. Die beiden zentralen Elemente einer Reha nach Bandscheibenvorfall sind dabei die Schmerztherapie und die Stärkung der Rückenmuskulatur. Dabei ist es von großer Bedeutung schon frühzeitig die Schmerzen zu lindern um den „Teufelskreis“ aus Schmerzen und der daraus resultierender Passivität zu durchbrechen.
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Wärmebehandlung & Stufenlagerung
Verschiedene Formen der Wärmetherapie, wie z.B. Rotlicht, Fango- oder Moorpackungen helfen durch ihre wärmende Wirkung die Durchblutung zu fördern und die verspannte Rückenmuskulatur zu lockern. Ein weiterer nervenentlastender Ansatz kann oft die Stufenbettlagerung sein. Hierzu legt sich der Patient hin und seine Beine werden im rechten Winkel auf einem Würfelkissen hoch gelagert.
Physiotherapie zentrales Element der Bandscheiben Reha
Während früher bei einem Bandscheibenvorfall noch häufig „Bettruhe“ verordnet wurde, der Betroffene sich möglichst wenig bewegen sollte, so gilt heute in den allermeisten Fällen das Gegenteil: Rasch gilt es mit der Rehabilitation in Form von Physiotherapie zu beginnen und möglichst konsequent Übungen und Therapien durchzuführen um die Wirbelsäule zu entlasten. Insbesondere der Kräftigung der Rückenmuskulatur rund um die Wirbelsäule und die Bandscheiben wird dabei Beachtung geschenkt. Einzelne Elemente der Physiotherapie innerhalb der Bandscheiben-Reha sind z.B.
Rückenschule,
Dehn- und Stretchübungen,
Wassergymnastik, Bewegungsbad, Aquajogging
Elektrotherapie, Schmerztherapie
Physikalische Therapie
Ausdauertraining sowie
Krafttraining für Rücken, Wirbelsäulen und Bauchbereich.
Begleitend können medizinische Massagen, mineralische Vollbäder und Entspannungstherapien den Genesungsprozess positiv beeinflussen.
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Klinken, Fachkliniken  und Wirbelsäulenzentren
Wie in der Automobilindustrie hat es auch in der Medizin eine Zertifizierungswelle gegeben.
Denn Klinik ist nicht gleich Klinik ! Es ist schon ein Unterschied, ob eine Klinik nur 20 Bandscheibenpatienten pro Jahr behandelt oder vielleicht 2000 Bandscheibenpatienten.
Insofern ist in einem medizinischen Zentrum ein bestimmtes medizinisches Know How und Fachwissen organisiert. Das betrifft einerseits die technische Ausstattung und andererseits das Fachwissen der dort arbeitenden Fachärzte.
Auf der Basis der vorgegebenen Zertifizierungsrichtlinien können sich Kliniken zertifizieren lassen.
Zertifizierungsverfahren werden von verschiedenen Anbietern angeboten:
Zertifizierung IQMP-Reha
Zertifizierung nach KTQ
Zertifizierung Akutscherztherapie
Zertifizierung als überregionales Traumazentrum
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Was bedeutet die Zertifizierung ?
Zertifizierungen zur Prozessoptimierung
Die große Herausforderung besteht für die Kliniken darin, im Sinne der Optimierung aller Abläufe  alle MitarbeiterInnen mit einzubeziehen damit Qualität auch wirklich gelebt wird. Dies ist kein Vorgang, der einmal initiiert und nach einer Zertifizierung abgeschlossen ist. Durch eine transparente Kommunikation und praxisorientierte Umsetzung erreicht man  bei allen MitarbeiterInnen Verständnis, Akzeptanz und aktive Mitwirkung. Durch ständige Weiterentwicklung, Prüfung und Verbesserung der Abläufe erfüllen die zertifizierten  immer mehr die Erwartungen unserer Patienten-, Mitarbeiter und Kunden und nähern sich immer weiter einer umfassenden Qualität. Die Zertifizierungsurkunden gelten nicht für immer und ewig, in regelmässigen Abständen wird auch nachgeprüft, derartige Prüfungsverfahren werden z.B. auch vom TÜV durchgeführt. Ein zertifiziertes medizinisches Zentrum, egal ob ein Brustkrebszentrum oder ein Wirbelsäulenzentrum bietet somit immer einen hohe Behandlungsqualität.
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Wirbelsäulenzentrum Herne
Zentrum für Wirbelsäulenchirurgie und Schmerztherapie / Zentrum für Orthopädie und Unfallchirurgie der St. Elisabeth Gruppe - Katholische Kliniken Rhein-Ruhr
St. Anna Hospital  Hospitalstraße 19
44649 Herne  Fon: +49 2325 986-2020
www.annahospital.de
E-Mail: spine-pain@elisabethgruppe.de
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Derzeit werden im Zentrum für Orthopädie und Unfallchirurgie jährlich über 20.000 in- und ausländische Wirbelsäulenpatienten stationär und über 25.000 Patienten ambulant betreut. Neben mehr als 15.000 Interventionellen Maßnahmen werden über 10.000 Operationen durchgeführt. Somit gehört das Zentrum für Orthopädie und Unfallchirurgie zu den größten Zentren seiner Art und hat weitreichende Erfahrungen im gesamten Spektrum von konservativen, interventionellen und operativen Maßnahmen.
Wirbelsäulenzentren im Ruhrgebiet :
Bochum:
St. Josef-Hospital - Klinikum der Ruhr-Universität Bochum  Orthopädie und Unfallchirurgie
Gudrunstr. 56  44791 Bochum
Dortmund:
Klinikum Dortmund 
Beurhausstraße 40, 44137 Dortmund
Essen
Uni – Klinik Essen
Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie
Hufelandstraße 55   45147 Essen
Alfried Krupp Krankenhaus Rüttenscheid Klinik für Neurochirurgie
Alfried-Krupp-Str. 21 45131 Essen

Oberhausen
Helios St. Elisabeth Klinik Zentrum Wirbelsäulenchirurgie
Josefstr. 3   46045 Oberhausen
Duisburg
HELIOS St. Johannes-Klinik Klinik für Wirbelsäulenchirurgie
An der Abtei 7-11   47166 Duisburg
Wuppertal
Krankenhaus St. Josef Klinik für Orthopädie II Wirbelsäulenchirurgie
Bergstr. 6-12 42105 Wuppertal

Statistik
Wer wird krank?
Neuerkrankungen treten mit steigendem Alter häufiger auf. Im höheren Alter nimmt die Inzidenzrate wieder ab. Die Wahrscheinlichkeit einer Neuerkrankung ist im Alter von 50-59 bei drei der vier Erkrankungen am höchsten. Nur bei den lumbalen Bandscheibenschäden liegt die höchste Wahrscheinlichkeit für eine Neuerkrankung im Alter von 70-79 Jahren. Erwerbspersonen sind im Vergleich zu Nicht-Erwerbspersonen im gleichen Alter um ca. 30 % mehr betroffen. Ein Teil der Bandscheibenprobleme zeichnet sich z. B. in Gestalt von Rückenschmerzen (sie verdoppeln die Wahrscheinlichkeit von Bandscheibenerkrankungen) vor ihrer Inzidenz ab und könnte damit möglicherweise verhindert werden.
Welche typischen Therapien folgen?
Im Falle einer Bandscheibendiagnose erhalten knapp 2/3 der Patienten muskelentspannende Arzneimittel verordnet. Ca. 1/3 der Patienten bekommt Schmerzmittel verordnet. Frauen erhalten auffällig häufiger als Männer Antidepressiva verordnet. Hier spiegelt sich der oft zitierte enge Zusammenhang zwischen Rückenerkrankungen und psychischen Erkrankungen wider. Zu den häufigsten Therapieformen gehören auch die Heilmittel. Jeder zweite Patient bekommt Krankengymnastik, jeder vierte Patient Wärme oder Kältetherapie und ca. jeder sechste Patient Massagen verordnet. Krankenhausbehandlungen und Rehabilitationsmaßnahmen sind deutlich seltener als Arzneimitteltherapien oder die Verordnungen von Heilmitteln. Zu den meisten Krankenhausaufenthalten kommt es bei lumbalen Bandscheibenschäden. Ca. 6 % der Patienten, die erstmals diese Diagnose gestellt bekamen, kommen im ersten Jahr ins Krankenhaus. Im Falle der anderen drei Erkrankungen sind es nur zwischen 1 % und 3 % der neu erkrankten Versicherten. Knappe 3 % der im unteren Wirbelsäulenbereich neu erkrankten Versicherten erhalten Rehabilitationsleistungen. Bei Schäden im oberen Wirbelsäulenbereich liegt der Anteil unter 1 %. Die bei  andscheibenerkrankungen mittel- bis langfristig ebenfalls sinnvollen und auch von Leitlinien empfohlenen präventiven Maßnahmen findet man explizit weder in den Daten über Krankenhausbehandlungen noch in denen über die ambulante Weiterversorgung in nennenswertem Umfang.
Inhaltlich bedenklich oder Anzeichen für eine mangelhafte Krankheitsdokumentation von Ärzten ist der nicht unerhebliche Teil von Versicherten, die nach der Erstdiagnose einer Bandscheibenerkrankung keine  dokumentierte Behandlung erhielten, aber kontinuierlich als spezifisch erkrankt diagnostiziert werden: 65% derjenigen Versicherten, die ambulant in den ersten vier Quartalen seit der Inzidenz mindestens zweimal eine lumbale Bandscheibenverlagerung diagnostiziert erhielten, aber keine adäquate Therapie, habe auch im fünften bis achten Quartal nach der Erstdiagnose wiederholt dieselbe Diagnose erhalten.
Wie verläuft die Krankenhausbehandlung?
Neben den bei einem Krankenhausaufenthalt erwarteten operativen Therapieformen gibt es dort auch relativ häufig nicht-operative Maßnahmen. Von den Patienten, die mit der häufigsten im Krankenhaus behandelten Diagnose, nämlich einem lumbalen Bandscheibenschaden, im Krankenhaus waren, werden 60 % operativ behandelt. Von den Patienten mit einer lumbalen  Verlagerung werden ca. 40 % und von jenen mit einer zervikalen Verlagerung ca. 80 % operiert. Bei der Behandlung einer lumbalen Bandscheibenverlagerung werden bei 1/3 der Patienten nur diagnostische Maßnahmen durchgeführt. Knapp jeder dritte Patient mit lumbalen Bandscheibenerkrankungen wird nur mit nicht-operativen Maßnahmen therapiert. Positiv zu erwähnen ist die relativ geringe Anzahl von bildgebenden oder auch sonstigen diagnostischen Zweituntersuchungen, was als ein Anzeichen vorhandenen Vertrauens in die Qualität der vorstationären Diagnostik gesehen werden kann.
Welche Therapien gibt es nach der Krankenhausbehandlung?
Im Anschluss an den Krankenhausaufenthalt bekommt ein Großteil der Patienten spezielle Arzneimittel verordnet. Ca. 60 % bekommen muskelentspannende Mittel und ca  30 % Schmerzmittel verordnet. Insgesamt erhalten operierte Patienten weniger dieser Arzneimittel verordnet. Die  Wahr -scheinlichkeit, eine solche Verordnung zu erhalten, liegt bei Vorliegen eines lumbalen Bandscheibenschadens um ca. 26 % niedriger als bei den nicht operierten Krankenhauspatienten. Da eine längerfristige Einnahme dieser Arzneimittel weder gesundheitlich unproblematisch noch kostengünstig ist, sollte zukünftig eine genauere Aufwand-Nutzenberechnung und -bewertung zwischen operativer und nichtoperativer Intervention stattfinden.
Ca. 60 % aller Bandscheiben-Patienten erhalten innerhalb eines halben Jahres nach dem Krankenhausaufenthalt auch eine Krankengymnastik, 20 % eine Wärme- oder Kältetherapie, 10 % Massagen und ca. 5 % Elektrotherapien. Insgesamt erhielten gut 60 % der Krankenhauspatienten im Anschluss aktivierende Maßnahmen und ca. jeder vierte Patient passive Heilmittel verordnet. Ca. 10 % der Patienten mit zervikalen Bandscheibenerkrankungen und ca. 20 % mit lumbalen Bandscheibenerkrankungen erhielten im Anschluss an den Krankenhausaufenthalt Rehabilitationsmaßnahmen mit identisch spezifischer Hauptdiagnose.
Der Anteil von maximal 40 % PatientInnen, die nach einer stationären Aufnahme weder stationär noch ambulant erkennbar und dokumentiert behandelt werden ist hoch und dann bedenklich, wenn man annimmt, dass ein Krankenhausaufenthalt einen erheblichen Krankheitsdruck voraussetzt. Der  therapie-freie Anteil von Krankenhauspatientinnen könnte dann ein Hinweis auf viel zu leichte Krankenhausaufnahmen sein oder auf eine verbreitete Unterbehandlung hindeuten. Beide Annahmen sind durch die  Routine-datenanalyse nicht überprüfbar.
Gibt es soziale Unterschiede bezüglich der Versorgungsleistungen?
Erwerbspersonen erhalten auffällig häufiger und mehr Rehabilitationsleistungen als Nicht-Erwerbspersonen. Auffällig ist zudem, dass sich dieser Unterschied mit höherem beruf-lichem Status deutlicher präsentiert. So ist die Wahrscheinlichkeit für versicherte Techniker und qualifizierte Angestellte bei lumbalen Bandscheibenschäden und –verlagerungen eine Rehabilitationsmaßnahme zu erhalten, 1,9-mal bis 3,5-mal so hoch wie für nicht erwerbstätige Versicherten und Erwerbspersonen mit geringerer Qualifikation. Da Frauen seltener erwerbstätig sind, gehören sie insbesondere zu der Gruppe, die weniger Rehabilitationsleistungen erhält. Ob es sich dabei um eine selektive Verordnung
durch Ärzte, die sozial ungleiche Bewilli-gungspraxis von Sozialversicherungsträgern oder um Folgen von Entscheidungen der Versicherten (z. B. kindererziehender Frauen) handelt, ist hier nicht zu klären. Frauen erhalten dafür häufiger  Heilmittel-verordnungen.
Krankenhausbehandlungen kommen am häufigsten bei lumbalen  Bandschei-benschäden vor. Die Krankenhaus-behandlung erhalten dann insbesondere junge Patienten. Die Wahrscheinlichkeit einer Krankenhausbehandlung ist bei 30-39-Jährigen ca. 40 % höher als bei 40-49-Jährigen. Welche Diagnostik oder Therapieformen im Krankenhaus zur Anwendung kommen, ist hingegen vom sozialen Hintergrund unabhängig.
Anschließende Rehabilitationsmaßnahmen und Arzneimittelverordnungen sind im Wesentlichen davon abhängig, ob operiert wurde und weniger davon, ob es einen sozialen Unterschied gibt. Nachfolgende Heilmittelverordnungen sind völlig unabhängig vom sozialen Status.
Wie erfolgreich ist die Therapie?
Ob eine Therapie erfolgreich ist, kann mit verschiedenen Maßstäben bewertet werden.
In diesem Report wurden folgende Endpunkte betrachtet: 1. die Wahrscheinlichkeit, nach einem Jahr vom niedergelassenen Arzt immer noch eine solche Diagnose zu bekommen, also wahrscheinlich dauerhaft zu leiden, 2. die Wahrscheinlichkeit, einer erneuten Krankenhausbehandlung, 3. die Wahrscheinlichkeit, mit entsprechender Diagnose weiterhin Fehlzeiten am Arbeitsplatz zu haben, 4. die  Wahr-scheinlichkeit einer Frühverrentung, 5. die Wahrscheinlichkeit der Pflegebedürftigkeit und 6. das Sterblichkeitsrisiko.
Als Vergleichskategorien werden Versorgungstypen nach den empfangenen Leistungen gebildet. Der häufigste Versorgungstyp ist der Patient, der Arzneimittel verordnet bekommt und entweder eine Rehabilitationsmaßnahme erhält oder Heilmittel verordnet bekommt, aber keinen Krankenhausaufenthalt hat. Im Vergleich zu diesem Versorgungstyp werden hier die Ergebnisse dargestellt.
Zwischen einem Fünftel und einem Drittel der Patienten erhält je nach spezieller Bandscheibenerkrankung auch nach einem Jahr noch die spezielle Diagnose durch einen niedergelassenen Arzt. Besonders auffällig ist dabei zunächst die hohe Fallzahl an Diagnosen ohne anschließende Therapie. Wenn dann im ersten Jahr seit der Inzidenz nur einmalig die Diagnose vergeben wurde und keine Therapie erfolgte, ist die Chance nur halb so groß, wenn die Diagnose mehrfach im ersten Jahr vergeben wurde, dann ist die Chance doppelt so groß, ein Jahr später erneut dieselbe Diagnose zu erhalten.
Diejenigen mit Krankenhausaufenthalt wegen Bandscheibenschäden haben eine geringere Wahrscheinlichkeit, ein Jahr später noch einmal diese Diagnose zu bekommen. Dies spricht für den Sinn und die Wirksamkeit der stationären Behandlung. Wirft man hingegen einen Blick auf die Fehlzeiten am Arbeitsplatz, dann erscheinen gerade bei denjenigen mit Krankenhausaufenthalt wegen lumbaler Bandscheibenerkrankungen die größten Wahrscheinlichkeiten, wieder mit der gleichen Diagnose auffällig zu sein, während diejenigen, die ohne Therapie blieben auch deutlich weniger Fehlzeiten am Arbeitsplatz aufwiesen. Dahinter verbirgt sich wahrscheinlich ein qualitativer Unterschied im Schweregrad der mit ein- und derselben Kodierung diagnostizierten
Erkrankungen. Das heißt, es werden Diagnosen ohne anschließende Therapie gestellt, wenn die Erkrankung nicht so schwerwiegend ist, und in der Folge zeigen sich keine besonderen Vorkommnisse. Bei schwerwiegenderen Fällen ist auch zumindest bei den Fehlzeiten am Arbeitsplatz eine langfristige Betroffenheit feststellbar. Der Blick auf die Fehlzeiten zeigt, dass zwischen 5 % und 6 % der an lumbalen Bandscheibenerkrankungen leidenden Erwerbspersonen auch zwei bis drei Jahre später noch mit derselben Diagnose krankgeschrieben werden. Frühverrentung und Pflegebedürftigkeit sind in der Untersuchungsgruppe seltene Ereignisse und werden nicht näher betrachtet.
Mit Blick auf die Krankenhausbehandlung ist auch noch interessant, inwieweit die unterschiedlichen Behandlungskomposi-tionen eine Rolle dafür spielen, dass Patienten später wieder mit derselben Diagnose auffällig werden. Daher wurde kontrolliert, ob die eine Auswirkung auf die definierten Zielzustände haben. Für keinen der hier untersuchten Zielzustände konnten aber Unterschiede in der Wirkung der verschiedenen Maßnahmen festgestellt werden. Die Häufigkeit einer erneuten Diagnose, weiterer Fehlzeiten, der Frühverrentung oder Pflegebedürftigkeit ist von Prozeduren wie der bildgebenden Diagnostik, den nicht-operativen Maßnahmen, mikrochirurgischen Operationen oder sonstigen Operationen unabhängig.
Quelle:  GEK Bandscheibenreport
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BARMER GEK Report Krankenhaus 2015
Deutliche Fehlversorgung bei Kreuzschmerz-Patienten
Rückenschmerzen sind eines der häufigsten Volksleiden, fast jeder hat es mindestens einmal im Leben im Kreuz. Die Zahl dieser Krankenhausfälle ist in den Jahren von 2006 bis 2014 von 282.000 auf 415.000 angestiegen. Das belegt der BARMER GEK Report Krankenhaus 2015, den die Kasse heute in Berlin vorgestellt hat. Demnach findet im Krankenhaus bei gut einem Drittel der Kreuzschmerz-Patienten weder eine Operation an der Wirbelsäule noch eine spezifische Schmerztherapie statt, sondern überwiegend bildgebende Diagnostik. Das betrifft rund 140.000 Patienten. „Wir sehen eine deutliche Fehlentwicklung. Kreuzschmerz-Patienten sollten im Krankenhaus auch tatsächlich eine Behandlung erhalten, ansonsten gehören sie dort nicht hin. Damit die Betroffenen erst gar nicht in der Klinik landen, muss die Behandlung viel früher ansetzen, bevor sich die Schmerzen chronifizieren. Hierzu braucht es eine professionelle und fachübergreifende Versorgung durch niedergelassene Ärzte“, forderte der Vorstandsvorsitzende der BARMER GEK, Dr. Christoph Straub. Letzter Ausweg Operation? Dem Report zufolge haben in den Jahren 2006 bis 2014 die Operationen an den Bandscheiben um 12,2 Prozent zugenommen. Immer öfter folgt bei denselben Patienten innerhalb von ein bis zwei Jahren zusätzlich eine Versteifungsoperation. Zwar handelt es sich noch um relativ geringe Fallzahlen, die Steigerungsraten sind mit 150 Prozent seit dem Jahr 2006 jedoch beachtlich. „Ein Zweitmeinungsverfahren ist vor jeder Rücken Operation dringend anzuraten. So lässt sich eine nicht notwendige Operation am besten vermeiden“, so Straub. Schmerzfreiheit sei gerade bei chronischen Schmerzen auch nach einer Operation nicht garantiert, umso genauer müssten Nutzen und Risiken des Eingriffs abgewogen werden. Starke Zunahme bei Spritzen-Schmerztherapie Immer mehr Patienten erhalten im Krankenhaus eine Spritzen Schmerztherapie, die sogenannte interventionelle Schmerztherapie. Die Leistung hat sich seit dem Jahr 2006 im Krankenhaus mehr als verdoppelt. Gleichzeitig ist die Anzahl der Kliniken, die eine Spritzen-Schmerztherapie  bei den Patientinnen und Patienten anwenden und mit der gesetzlichen Krankenversicherung abrechnen, seit dem Jahr 2006 von 612 auf 858 (um 40,2 Prozent) gestiegen. Viele dieser Patienten haben eine lange Leidensgeschichte. „Oft sind die Patienten, deren lumbale Rückenschmerzen im Krankenhaus behandelt werden, in hohem Maße und über viele Jahre ambulant vorbehandelt“, betonte Studienautorin Prof. Dr. Eva Maria Bitzer von der Pädagogischen Hochschule Freiburg. Etwa jeder zweite Patient hat im Jahr vor dem Krankenhausaufenthalt durchgängig eine ambulant ärztlich dokumentierte Diagnose im Bereich Krankheiten der Wirbelsäule und des Rückens, nahezu ein Fünftel sogar in den vorausgegangenen sieben Jahren.
Patienten sind nicht zufrieden
Doch auch mit der Behandlung im rankenhaus sind viele Patienten nicht zufrieden. Das belegt eine Umfrage der Studienautoren unter erwerbsfähigen BARMER GEK Versicherten. Es wurden 2.496 Rückenschmerz-Patienten angeschrieben, die Rücklaufquote betrug 36,6 Prozent. Von ihnen ist nur ein Drittel anderthalb Jahre nach dem Krankenhausaufenthalt schmerzfrei. „Die Erwartungshaltung an die Behandlung im Krankenhaus ist bei Schmerzpatienten sehr hoch. Daher müssen sie umfassend von den Ärzten aufgeklärt werden, was eine Behandlung leisten kann. Schmerzfreiheit gehört nicht unbedingt dazu“,betonte  Bitzer. Laut Umfrage ist nur jeder zweite operierte und jeder viertemit Schmerztherapie behandelte Versicherte uneingeschränkt mit demErgebnis zufrieden. „Das sind die niedrigsten Zufriedenheitswerte, die wir beiPatientenbefragungen im Rahmen des BARMER GEK Reports Krankenhausjemals gemessen haben“, so Bitzer.
Trends bei Fallzahlen und Verweildauer ungebrochen
Auch nach demografischer Bereinigung haben die Fallzahlen imKrankenhaus, nach einer Stagnation im Jahr 2012 gegenüber 2011 in denJahren 2013 und 2014 wieder leicht zugenommen. Insgesamt ergibt sich seit
dem Jahr 2006 ein Zuwachs bei den Fallzahlen von 7,3 Prozent. Die Anzahlder Behandlungstage ist demgegenüber deutlich gesunken, 1.773 im Jahr2006 auf 1.673 je 1.000 Versicherte im Jahr 2014. Das entspricht einem Rückgang von 5,6 Prozent. Die durchschnittliche Verweildauer hat im Zeitraum von 2006 bis 2014 um 12 Prozent auf 7,7 Tage abgenommen.
Daten aus dem BARMER GEK Report Krankenhaus 2015
Psychische Störungen
Die Behandlungstage bei psychischen und Verhaltensstörungen nehmenweiter zu. Seit dem Jahr 2006 ist ein Anstieg von 18,8 Prozent zu erkennen(2006: 288,7 Krankenhaustage je 1.000 Versicherte, 2014: 343,0Krankenhaustage je 1.000 Versicherte). Auffällig ist, dass es bei anderen Diagnosen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Krankheiten des Verdauungssystems einen rückläufigen Trend der Behandlungstage gibt. Dieser bewegt sich je nach Diagnose bei einem Minus von 7,6 bis 18 Prozent, das entspricht 272,9 Krankenhaustage je 1.000 Versicherte im Jahr
2006, im Jahr 2014 waren es noch 243 je 1.000 Versicherte


Häufige Diagnosen
Es zeigt sich ein deutlicher Unterschied bei den häufigsten Diagnosenzwischen den Geschlechtern. Es werden mehr Männer als Frauen mit derDiagnose Herz-Kreislauf-Erkrankung behandelt. Bei Männern sind es 36,9Fälle pro 1.000 Versicherte, bei Frauen 29,3. Auch bei den Erkrankungendes Verdauungssystems liegen Männer vorne (24,4 gegenüber 22,0Behandlungsfällen je 1.000 Versicherte). Bei den Frauen überwiegenKrankheiten des Muskel-Skelett-Systems und des Bindegewebes: Frauen
24,4 und Männer 18,8 Fälle je 1.000 Versicherte
Regionale Unterschiede bei Behandlungsdauer und -kosten
Bei der Dauer der Behandlung gibt es deutliche regionale Unterschiede.Baden-Württemberg bildet hier das Schlusslicht. Hier gibt es die niedrigsteAnzahl an Krankenhausfällen und -tagen je 1.000 Versicherte (187,2Krankenhausfälle, 1.461,6 Krankenhaustage). Bei den Krankenhausfällen istThüringen Spitzenreiter (239,3 Fälle je 1.000 Versicherte), dicht gefolgt vonNordrhein-Westfalen (239,2 Fälle je 1.000 Versicherte). Nordrhein-Westfalenhat jedoch mit 1.860,7 die meisten Krankenhaustage je 1.000 Versicherte.Die Ausgaben je Versichertem liegen zwischen 761 Euro in Baden Württembergund 910 Euro in Nordrhein-Westfalen
Pressemitteilung der Barmer-GEK
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Statement von Dr. med. Christoph Straub
Vorstandsvorsitzender der BARMER GEK
Die Deutschen haben es im Rücken. 85 Prozent der Bevölkerung leidet irgendwann im Leben an Rückenschmerzen. Aufgrund der hohen indirekten Kosten von rund sieben Milliarden Euro gelten sie als eine der teuersten Erkrankungen. Zum Beispiel werden 15 Prozent aller Arbeitsunfähigkeitstage und 18 Prozent aller Frühberentungen durch Rückenschmerzen verursacht. Rückenschmerz ist also ein Volksleiden. Besonders häufig leiden die Deutschen an den sogenannten lumbalen Rückenschmerzen, das sind Schmerzen im unteren Rücken. Grund genug, das Thema „lumbaler Rückenschmerz“ intensiver zu betrachten. Der BARMER GEK Report Krankenhaus 2015, den wir Ihnen heute vorstellen möchten, liefert vor allem in Bezug auf die Versorgung der Rückenschmerz-Patienten im Krankenhaus aufschlussreiche Ergebnisse. Offenbar landen auch Patienten im Krankenhaus, denen dort nicht wirklich geholfen werden kann. Denn bei einem Drittel der Patienten findet im Krankenhaus weder eine Operation an der Wirbelsäule noch eine Schmerztherapie statt. Das entspricht rund 140.000 Patientinnen und Patienten. Für sie kann man von einer Fehlversorgung sprechen, die es dringend zu beseitigen gilt. Für die Patientinnen und Patienten ist es am wichtigsten, dass die Chronifizierung der Schmerzen vermieden wird. Gerade weil offenbar ein Teil der Patienten durch das Gesundheitssystem irrt, ohne dass ihnen wirklich geholfen wird. Nach einer langen Odyssee im ambulanten Bereich, die laut den Ergebnissen des Reports sieben Jahre dauern kann, landen viele schließlich im Krankenhaus. Im Jahr 2014 gab es, basierend auf einer Hochrechnung von BARMER GEK Daten, bundesweit knapp 415.000 Krankenhausfälle wegen Kreuzschmerzen.
Im Jahr 2006 waren es noch 282.000 Fälle. Das entspricht einem Anstieg um 47 Prozent. Nur zu einem kleinen Teil lässt sich diese enorme Steigerung auf demografische Veränderungen zurückführen. Bereinigt um demografische Effekte beträgt der Anstieg zwischen 2006 und 2014 insgesamt 41,5 Prozent pro 10.000 Versicherte.
Für einen Teil dieser Patienten wird oftmals eine Rücken-Operation als letzter Ausweg empfohlen. In den Jahren 2006 bis 2014 ist die Anzahl der Bandscheibenoperationen um 12,2 Prozent angestiegen. Im selben Zeitraum stieg die Anzahl der Wirbelsäulenversteifungen, der sogenannten Spondylodesen, um 83,1 Prozent. Immer öfter folgt einer Bandscheiben-Operation bei demselben Patienten innerhalb von ein bis zwei Jahren anschließend noch eine Versteifungsoperation. Zwar handelt es sich noch um relativ geringe Fallzahlen, die Steigerungsraten sind mit 150 Prozent seit dem Jahr 2006 jedoch beachtlich. Allerdings lässt sich in den Routinedaten nicht eindeutig differenzieren, an welcher genauen Position im Rücken der zweite Eingriff stattgefunden hat. Dennoch ist ein Zweitmeinungsverfahren vor jeder Rücken-OP dringend anzuraten. Schließlich gilt Vorsicht, bevor das Skalpell angesetzt wird, denn nicht jede Operation an der Wirbelsäule ist notwendig und sinnvoll. Mit Hilfe eines Zweitmeinungsverfahrens lässt sich die Anzahl nicht indizierter Operationen an der Wirbelsäule reduzieren. Zudem drohen bei einer OP Risiken wie Infektionen und Gefäß- und Nervenverletzungen, selbst bei erfahrenen Operateuren. Die BARMER GEK bietet ihren Versicherten aus diesem Grund in ihrem Selektivvertrag „ProRücken“ seit dem Jahr 2013 ein Zweitmeinungsverfahren an. Bereits mehr als 400 Patientinnen und Patienten haben davon profitiert. Die Betroffenen erhalten kurzfristig, in der Regel innerhalb einer Woche, einen Zweitmeinungstermin bei einem Rückenspezialisten. In vier von zehn Fällen haben sich die Betroffenen dann letztlich gegen die Operation entschieden.
Es gibt noch einen weiteren Bereich mit einer enormen stationären Mengenausweitung. Dieser wird erstmals im aktuellen Krankenhausreport der BARMER GEK beleuchtet. Immer mehr Patienten erhalten im Krankenhaus eine sogenannte Spritzen-Schmerztherapie, auch interventionelle Schmerztherapie genannt. Die Anwendung dieser Leistung hat sich seit dem Jahr 2006 im Krankenhaus etwa verdoppelt. Gleichzeitig ist auch die Anzahl der Kliniken, die eine Spritzen-Schmerztherapie bei den Patientinnen und Patienten anwenden und mit der gesetzlichen Krankenversicherung abrechnen, seit dem Jahr 2006 um 40,2 Prozent gestiegen.
Es ist fraglich, ob diese Form der Schmerztherapie in jedem Fall stationär stattfinden muss oder ob nicht einige der Fälle durchaus in der Praxis hätten behandelt werden können. All diese Beispiele zeigen, dass wir den gesamten Behandlungsprozess im Blick behalten müssen. Hier ist zwingend eine bessere fachübergreifende Vernetzung der Ärzte im ambulanten Bereich erforderlich. Um die Chronifizierung der Schmerzen zu vermeiden, sollte der Rückenschmerz leitliniengerecht behandelt werden. In den ersten vier Wochen gehören nach ärztlicher Anordnung Medikamente, aber vor allem auch die sogenannte Low-Impact Bewegungstherapie dazu, also Übungen, die die Muskeln sanft dehnen und die Koordination stärken. Keinesfalls sollten Gewichte gestemmt werden. Der Hausarzt sollte hier als Lotse intensiv in die Versorgung eingebunden werden. Er koordiniert die Vorstellung auch beim Orthopäden. Häufig kennt er den Patienten am Besten und kann prüfen, ob neben körperlichen Beschwerden auch seelische oder soziale Faktoren vorliegen, die das Schmerzerleben
beeinflussen. Hier hilft vor allem die Arbeit in berufsgruppenübergreifenden, vernetzten Teams.
Nicht nur Orthopäden, Schmerztherapeuten und Hausärzte sollten fachübergreifend eng zusammenarbeiten. Auch Physio- und Sporttherapeuten können genau so wie Psychologen zu einem solchen Team gehören. Die BARMER GEK bietet ein solches ambulantes Versorgungskonzept bereits in dem Pilotprojekt „Schmerznetz NRW“ an. Ziel ist es hier vor allem, eine Chronifizierung der Schmerzen zu vermeiden. Und nur so können jahrelange Leidensgeschichten von Patientinnen und Patienten verhindert werden.
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